Wenn eine Organisation mit sensiblen Daten arbeitet und über eine Copilot-Alternative nachdenkt, beginnt der Auswahlprozess. Es geht dann nicht mehr in erster Linie um Funktionen, sondern um die Frage, wo genau die Daten verarbeitet werden, wer darauf Zugriff hat, unter welcher Rechtsordnung der Anbieter steht und wie sich das gegenüber Aufsicht und Revision nachweisen lässt.
Microsoft 365 Copilot lässt sich in der EU datenschutzkonform betreiben, verlangt dafür aber die richtige Konfiguration und eine laufende Bewertung. Für Organisationen mit besonders sensiblen Datenkategorien bleiben zwei Punkte offen, die sich nicht allein technisch lösen lassen: die Bindung an einen US-Anbieter mit den entsprechenden Zugriffsregimen und die Frage, ob die Standard-Konfiguration die eigene Datenklassifizierung tatsächlich abdeckt. Genau an dieser Stelle setzt die Suche nach einer europäischen Alternative an.
Dieser Beitrag beschreibt die Auswahlkriterien für sensible Daten und die europäischen Kategorien, die dafür infrage kommen. Für alle Aussagen zu Zertifizierungen, Hosting und Verarbeitung gilt: gegen das Trust Center und die aktuellen Angaben des jeweiligen Anbieters prüfen.
Was „sensibel" für die Plattformauswahl bedeutet
Sensibel ist kein einheitlicher Begriff, und die Abstufung verändert die Anforderung.
Besondere Kategorien personenbezogener Daten nach Artikel 9 DSGVO, etwa Gesundheitsdaten, unterliegen strengeren Regeln als allgemeine Personendaten. Mandatsdaten unter § 203 StGB dürfen an einen technischen Dienstleister nur weitergegeben werden, wenn dieser vertraglich zur Geheimhaltung verpflichtet ist. Zahlungs- und Finanzdaten fallen zusätzlich unter aufsichtsrechtliche Vorgaben wie DORA. Und Geschäftsgeheimnisse unterliegen keiner gesetzlichen Kategorie, sind aber oft der eigentliche Grund, warum eine Organisation Datenverarbeitung außerhalb Europas ausschließt.
Die praktische Konsequenz: Bevor Anbieter verglichen werden, muss feststehen, Daten welcher dieser Kategorien genutzt werden sollen. Ein Werkzeug, das für allgemeine interne Fragen genügt, ist für Gesundheits- oder Mandatsdaten möglicherweise nicht ausreichend.
Wo Copilot bei sensiblen Daten an Grenzen stößt
Copilot verarbeitet für EU-Tenants grundsätzlich innerhalb der EU Data Boundary, sofern der Tenant so eingerichtet ist. Für sensible Daten sind drei Punkte relevant.
Erstens kann eine Änderung an der Standard-Routing-Logik dazu führen, dass EU-Tenant-Daten bei Lastspitzen außerhalb der EU verarbeitet werden. Zweitens verarbeiten Modelle einzelner Drittanbieter, die als Subprozessoren in bestimmten Copilot-Funktionen aktiviert sein können, außerhalb der EU Data Boundary. Beides lässt sich über Tenant-Einstellungen prüfen und steuern, ist aber standardmäßig nicht zwingend so gesetzt, wie es eine hohe Datenklassifizierung verlangt. Drittens ist Microsoft ein US-Unternehmen, weshalb Zugriffsregime wie der CLOUD Act in einer Risikobewertung berücksichtigt werden müssen. Deutsche Datenschutzbehörden haben zusätzlich Punkte an den Standard-Verarbeitungsbedingungen benannt, die eine Datenschutz-Folgenabschätzung nötig machen.
Keiner dieser Punkte macht Copilot pauschal unzulässig. Sie erklären aber, warum Organisationen mit sensiblen Daten prüfen, ob eine europäische Alternative die Anforderung strukturell einfacher erfüllt, statt sie über fortlaufende Konfiguration abzusichern.
Sechs Kriterien für sensible Daten
Verarbeitungsort als Betriebsmodell, nicht als Einstellung
Für sensible Daten ist der Unterschied zwischen „standardmäßig in der EU, konfigurierbar" und „ausschließlich in Deutschland, als Betriebsmodell" erheblich. Prüft, ob der Anbieter reines Hosting auf deutschem Boden anbietet, ob Betrieb in der eigenen Cloud-Subscription möglich ist und ab welcher Nutzerzahl dedizierte Deployments verfügbar sind. Bei nuwacom ist Hosting in Deutschland über STACKIT und IONOS verfügbar, zusätzlich Bring-your-own-Cloud und On-Premises. Die Sicherheitsarchitektur mit Verschlüsselung und Mandantentrennung ist auf der Sicherheitsseite beschrieben.
Rechtsordnung und Eigentümerstruktur des Anbieters
Bei sensiblen Daten wird relevant, welcher Rechtsordnung der Anbieter untersteht. Ein europäischer Anbieter ohne US-Mutter unterliegt anderen Zugriffsregimen als ein US-Unternehmen oder dessen Tochter. Ob das ausschlaggebend ist, hängt von eurer Datenklassifizierung und eurer internen Richtlinie ab. Für Geschäftsgeheimnisse und Artikel-9-Daten ist es in vielen Organisationen ein hartes Kriterium, für allgemeine interne Nutzung oft nicht. Prüft diesen Punkt bewusst, weil er sich nachträglich nicht durch Konfiguration ändern lässt.
Trennung von Vertraulichkeitsstufen
Nicht jede Anfrage hat dieselbe Schutzstufe. Eine Plattform sollte ermöglichen, dass besonders sensible Vorgänge in einer stärker abgeschotteten Umgebung laufen als allgemeine Fragen. Bei nuwacom erfolgt diese Trennung über eigene Workspaces mit eigenen Mitgliedern, eigenem Wissen, eigenen Konnektoren und eigenen Regeln, gesteuert über die KI-Governance. Für die höchste Schutzstufe ist zusätzlich relevant, ob ein On-Premise-Betrieb möglich ist.
Branchenspezifische Nachweise
Für sensible Daten sind die branchenspezifischen Nachweise entscheidend, nicht die allgemeinen. Für Berufsgeheimnisträger die Zusatzvereinbarung nach § 203 StGB, für Finanzdienstleister die Einordnung zu DORA, für Hochrisiko-Anwendungen die Dokumentation nach EU AI Act. nuwacom stellt die § 203-Zusatzvereinbarung und eine dokumentierte DORA-Einordnung bereit. Wie sich beides auf den Plattformbetrieb auswirkt, ist in diesem Beitrag beschrieben.
Kein Training auf euren Daten
Ein Anbieter sollte euch belegen können, das Unternehmensdaten nicht zum Training der Modelle verwendet werden. Bei nuwacom ist dies sichergestellt. Dies ist bei sensiblen Daten essentiell, da vertrauliche Daten andernfalls geleakt werden könnten.
Europäische Kategorien für sensible Daten
Europäische Plattformen mit eigener Wissensschicht
Es gibt diverse europäische Alternativen zu CoPilot, etwa nuwacom, Aleph Alpha mit PhariaAI und Mistral mit Le Chat Enterprise. Alle bieten Entwicklung und Betrieb in Europa, einen Funktionsumfang über einen reinen KI-Chat hinaus und systemübergreifenden Wissenszugriff.
Die Schwerpunkte der Lösungen unterscheiden sich deutlich. Aleph Alpha setzt auf individuell trainierte LLMs und eine tiefe technische Integration in die bestehende IT, was die Lösung höchst individuell, die Implementierung aber vergleichsweise aufwändig macht. Mistral bringt eigene, in Europa entwickelte Modelle mit, erlaubt das Training eigener Modelle und bietet dedizierte Lösungen für Entwickler.
nuwacom ist auf mittelständische Unternehmen spezialisiert und bietet den Zugriff auf unterschiedliche Modelle - Kunden können etwa die aktuellen Modelle von Anthropic, Google und OpenAI, sowie in Europa betriebene Open-Weight-Modelle wie Kimi K3, GLM 5.3 und DeepSeek V4 nutzen. Zudem bietet nuwacom eine zentrale Kontext-Engine, die das Wissen der Organisation und Mitarbeitenden strukturiert für die KI nutzbar macht, unabhängig vom genutzten Modell. Dank der Workspaces ermöglicht nuwacom zudem eine saubere Mandantentrennung. Die Deployment-Optionen beinhalten diverse Optionen, inklusive Hosting auf deutschem Boden.
Eine Lösung dieser Kategorie passt, wenn sensible Daten organisationsweit und nachweisbar verarbeitet werden sollen und der Verzicht auf einen US-Anbieter Teil der Anforderung ist.
Betrieb in der eigenen Cloud auf Open-Source-Basis
Diese Kategorie umfasst Lösungen auf Basis von LibreChat oder Open WebUI, mit denen Modelle in der eigenen Azure-, STACKIT- oder On-Premises-Umgebung betrieben werden, oft über spezialisierte Dienstleister als Paket mit Compliance-Beratung. Für die höchste Schutzstufe kann dieses Modell attraktiv sein, weil die Daten die eigene Umgebung nicht verlassen und keine externe Verarbeitung stattfindet.
Dafür muss ein Unternehmen allerdings die Verantwortung für den Betrieb selbst übernehmen. Sicherheit, Updates, Nachweisführung und Weiterentwicklung liegen im eigenen Haus oder beim Dienstleister. Ohne ausreichende interne Kapazität wird aus dem Kontrollgewinn ein Projekt, das auf einem alten Stand einfriert, was bei sensiblen Daten ein eigenes Risiko darstellt.
Warum reine Modellanbieter hier meist ausscheiden
ChatGPT Enterprise und Claude Enterprise sind ausgereifte Angebote, für sensible Daten mit hoher Klassifizierung aber oft nicht die Antwort. Es handelt sich um US-Anbieter, die zentrale Governance über Abteilungen, die Anbindung sensibler Bestandssysteme und branchenspezifische vertragliche Nachweise nicht in derselben Tiefe abdecken. Wer Copilot gerade wegen der US-Bindung und der Datenklassifizierung verlässt, löst das Problem mit einem anderen US-Modellanbieter nicht.
Wo nuwacom bei sensiblen Daten passt und wo nicht
nuwacom ist eine sinnvolle Option, wenn mehrere dieser Punkte zutreffen:
Verarbeitung ausschließlich in Deutschland oder in der eigenen Cloud ist eine Vorgabe.
Ihr braucht die Trennung von Vertraulichkeitsstufen über abgeschottete Arbeitsbereiche.
Ihr benötigt eine Lösung, die sensible Daten automatisch pseudonymisiert, bevor ein LLM diese sieht - nuwacom bietet dies mit dem Privacy Mode.
Ihr benötigt branchenspezifische Nachweise wie die § 203-Zusatzvereinbarung oder die DORA-Einordnung.
Einsatzbereiche mit sensiblen Daten sind etwa Banken, Versicherungen, Wirtschaftsprüfer, Gesundheitsversorgung und öffentlich-rechtliche Organisationen. Veröffentlichte Fallstudien von Kunden liegen etwa von Debeka, Lufthansa und der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein vor.
Nicht die passende Wahl ist nuwacom, wenn eure höchste Datenklassifizierung zwingend einen reinen Eigenbetrieb ohne jeden externen Plattformanbieter verlangt.
Vom Datenschutzbedarf zur Entscheidung
Beginnt mit der Datenklassifizierung, nicht mit den Anbietern. Legt fest, welche Kategorien im Einsatz sind, welcher Verarbeitungsort verpflichtend ist und welche Nachweise ihr gegenüber Aufsicht und Revision erbringen müsst. Diese Liste reduziert das Feld auf wenige europäische Optionen, bevor eine Demo stattgefunden hat.
Testet anschließend mit realen, aber angemessen geschützten Daten. Bindet ein sensibles Quellsystem in einer kontrollierten Umgebung an und prüft nicht nur die Antwortqualität, sondern auch, ob Quellen ausgewiesen, Berechtigungen übernommen und Vorgänge protokolliert werden. Genau dort zeigt sich, ob eine Alternative die Datenklassifizierung tatsächlich trägt.
Wenn ihr diesen Test mit nuwacom unter euren Datenschutzbedingungen durchführen wollt, könnt ihr in einer Demo mit einem unserer Experten über eure Anforderungen sprechen.
Häufig gestellte Fragen
Welche europäischen Alternativen zu Microsoft Copilot eignen sich für Unternehmen mit sensiblen Daten?
Vor allem europäische KI-Plattformen mit eigener Wissensschicht wie nuwacom, Aleph Alpha PhariaAI und Mistral Le Chat Enterprise sowie der Eigenbetrieb auf Open-Source-Basis in der eigenen Cloud. Welche Kategorie passt, entscheidet sich an der Datenklassifizierung, am verpflichtenden Verarbeitungsort und an den geforderten branchenspezifischen Nachweisen.
Ist Microsoft Copilot bei sensiblen Daten grundsätzlich unzulässig?
Nein. Copilot lässt sich in der EU datenschutzkonform betreiben, verlangt dafür aber die richtige Konfiguration, eine Datenschutz-Folgenabschätzung und eine laufende Bewertung. Für besonders sensible Kategorien bleiben die US-Bindung und die Standard-Routing-Logik Punkte, die eine europäische Alternative strukturell einfacher lösen kann.
Warum spielt die Eigentümerstruktur des Anbieters bei sensiblen Daten eine Rolle?
Weil ein US-Anbieter oder dessen Tochter anderen Zugriffsregimen untersteht als ein rein europäischer Anbieter. Für besondere Datenkategorien nach Artikel 9 DSGVO und für Geschäftsgeheimnisse ist das in vielen Organisationen ein hartes Auswahlkriterium, das sich nachträglich nicht durch Konfiguration ändern lässt.
Wie werden Gesundheits- oder Mandatsdaten in einer solchen Plattform geschützt?
Über eine getrennte, stärker abgeschottete Verarbeitung. In nuwacom erfolgt das über eigene Workspaces mit eigenem Wissen und eigenen Regeln, für die höchste Schutzstufe zusätzlich über die Option eines On-Premises-Betriebs. Neben der technischen Trennung ist die vertragliche Grundlage entscheidend, für Berufsgeheimnisträger die Zusatzvereinbarung nach § 203 StGB.
Gibt es eine europäische Copilot-Alternative mit Hosting ausschließlich in Deutschland?
nuwacom bietet reines Hosting in Deutschland über STACKIT sowie Deployments auf IONOS, zusätzlich Bring-your-own-Cloud und On-Premises. Auch Lösungen im Eigenbetrieb in der eigenen deutschen Cloud erfüllen diese Anforderung, verlagern den Betriebsaufwand aber ins Unternehmen.
Wird auf unseren sensiblen Daten trainiert?
Bei nuwacom werden Eingaben, Ausgaben und Unternehmensdaten vertraglich zugesichert nicht zum Training der Modelle verwendet und sind weder für andere Kunden noch für die Modellanbieter zugänglich. Prüft diese Zusicherung bei jedem Anbieter im Auftragsverarbeitungsvertrag und im Trust Center.
Weitere Beiträge zu Compliance, Datenschutz und Auswahl stehen im Blog.