Zweck
Dieser Skill gilt für alle geschriebenen Inhalte. Jeder Text — intern oder extern, kurz oder lang — muss diesen Regeln folgen. Ziel ist nicht Stil um seiner selbst willen, sondern Kommunikation, die sofort verstanden wird und zu sicherem Handeln führt.
Grundprinzipien des Schreibens
Klarheit zuerst
Schreibe für das Verständnis der Lesenden, nicht für die Bequemlichkeit der Schreibenden. Wenn ein Satz zweimal gelesen werden muss, formuliere ihn neu.
Konkret formulieren. Ersetze vage Substantive durch präzise: nicht „Lösung", sondern „automatisiertes Reporting-Dashboard".
Ein Gedanke pro Satz. Teile Schachtelsätze, die mehr als eine Aussage transportieren.
Aktiv als Standard. „Das Team veröffentlicht wöchentlich neue Features" — nicht „Neue Features werden wöchentlich vom Team veröffentlicht."
Füllwörter streichen. Entferne: im Grunde, eigentlich, sehr, relativ, an dieser Stelle sei erwähnt, wie bereits erwähnt.
Nominalstil vermeiden. Nicht „eine Entscheidung treffen" → „entscheiden". Nicht „Unterstützung leisten" → „helfen".
Leserperspektive zuerst
Beantworte gleich zu Beginn die unausgesprochene Frage der Lesenden: „Worum geht es, und warum ist das für mich relevant?" Verstecke die Kernaussage nie im Text.
Tone of Voice
Kontext | Ton |
|---|---|
Marketing / Landingpages | Selbstbewusst, direkt, menschlich — nie Hype |
Produkt- / Feature-Texte | Klar, funktional, nutzenorientiert |
Dokumentation | Präzise, neutral, anleitend |
E-Mails | Herzlich, aber effizient — keine Floskel-Anreden |
Social / Kurzformate | Locker, pointiert, kein Corporate-Sprech |
Nie verwenden:
Buzzwords ohne Bedeutung (Synergie, ganzheitlich, Ecosystem, disruptiv)
Passivkonstruktionen zur Vermeidung von Verantwortung („Es sind Fehler passiert")
Übertriebene Behauptungen („weltweit führend", „revolutionär"), sofern nicht belegbar
Künstliche Dringlichkeit („Nur noch heute!") — Dringlichkeit muss echt und konkret sein
Satz- und Absatzstruktur
Satzlänge: Im Schnitt 15–20 Wörter. Kein Satz überschreitet 30 Wörter ohne bewussten stilistischen Grund.
Absatzlänge: 2–4 Sätze für Web/Marketing. Bis zu 6 für Langtexte. Ein Absatz = ein Gedanke.
Rhythmus: Variiere die Satzlänge bewusst. Kurze Sätze wirken stärker, wenn ein längerer Anlauf vorausgeht.
Übergänge: Nutze sie, um Gedanken zu verbinden, nicht als Textfüllung. Bevorzuge: deshalb, allerdings, dadurch, das heißt — nicht darüber hinaus, ferner, des Weiteren (die wiegen schwer, ohne Logik hinzuzufügen).
Headlines
Headlines sind Versprechen. Sie müssen den Lesenden genau sagen, was sie bekommen — und Lust darauf machen.
Regeln
Mit Nutzen oder Handlung beginnen, nicht mit dem Themen-Etikett. Nicht „Zusammenarbeit im Team" → „Schneller liefern mit einem gemeinsamen Workspace."
Headlines unter 60 Zeichen halten in Web-/SEO-Kontexten.
Deutsche Rechtschreibung statt englischem Title Case. Substantive groß, alles andere klein — kein „Schneller Liefern Mit Einem Gemeinsamen Workspace", keine Versalien zur Betonung.
Kein Satzzeichen am Ende freistehender Headlines, außer ein Fragezeichen passt wirklich.
Den „Na und?"-Test machen: Lies die Headline und frage „Na und?". Wenn die Headline diese Frage nicht selbst beantwortet, schreibe sie neu.
Headline-Hierarchie
H1: Genau eine pro Seite/Dokument — das zentrale Versprechen oder der Themenanker.
H2: Hauptabschnitte — jede muss für sich allein als aussagekräftiges Label funktionieren.
H3: Unterpunkte einer H2 — spezifischer, nie ohne übergeordnete H2.
H4 und tiefer: Sparsam einsetzen; wenn nötig, lieber die Struktur überdenken.
Headline-Anti-Patterns (immer ablehnen)
„Einleitung" oder „Überblick" als H2 — beschreibe stattdessen, was eingeleitet wird
Headline als kompletter Aufsatz: „Wie unsere Plattform Teams jeder Größe branchenübergreifend dabei hilft, effektiver zusammenzuarbeiten"
Clickbait, den der Text nicht einlöst: „Dieses eine Feature verändert alles"
Listen
Listen machen scanbar, was sonst dichte Prosa wäre. Setze sie ein, wenn die Punkte wirklich gleichrangig und abgegrenzt sind — nicht als Krücke, um sich vernünftige Sätze zu sparen.
Wann Listen sinnvoll sind
3 oder mehr gleichrangige Punkte mit gleichem Gewicht
Schritt-für-Schritt-Anleitungen, bei denen die Reihenfolge zählt
Feature-Vergleiche oder Optionsübersichten
Wann KEINE Listen
Zwei Punkte (als Satz schreiben: „X und Y")
Punkte mit natürlichem Argumentationsfluss (Fließtext mit Übergängen nutzen)
Als Ersatz für echte Struktur und Argumentation
Listenregeln
Parallele Konstruktion ist Pflicht. Alle Punkte einer Liste beginnen mit derselben grammatischen Form — alle Verben, alle Substantive, alle Teilsätze.
Falsch: „Schnelles Onboarding, du kannst APIs anbinden, und Support ist inklusive"
Richtig: „Schnelles Onboarding, flexible API-Anbindung, inklusiver Support"
Mit dem Schlüsselwort beginnen. Stelle das wichtigste Wort an den Anfang jedes Punktes, nicht ans Ende.
Kein Punkt am Ende von Listenpunkten, außer ein Punkt enthält mehrere Sätze (dann alle Punkte durchgängig interpunktieren).
Maximal 7 Punkte pro Liste. Darüber hinaus in Unterabschnitte gruppieren.
Keine verschachtelten Listen in Marketing- oder Endnutzer-Inhalten. In der Dokumentation ist maximal eine Verschachtelungsebene erlaubt.
Formatierung
Fett und Kursiv
Fett = wirklich kritische Information, Fachbegriffe bei Erstnennung, UI-Bezeichnungen
Kursiv = Werktitel, Fremdwörter oder feine Betonung — sparsam
NIEMALS fett zur Dekoration oder damit ein Absatz „wichtig aussieht"
Code und technische Zeichenfolgen
Setze allen Code, alle Befehle, Dateinamen und API-Parameter in
Code-FormatierungErsetze nie durch optisch ähnliche Zeichen (z. B. im Fließtext den Halbgeviertstrich
–statt-und typografische Anführungszeichen statt gerader)
Zahlen
Zahlen von eins bis neun ausschreiben; ab 10 Ziffern verwenden
Immer Ziffern bei: Maßangaben, Prozentwerten, Preisen, Statistiken
Tausendertrennzeichen: 1.000 — nicht 1000; Dezimaltrennzeichen ist das Komma (3,5 %)
Datumsangaben
Ausgeschrieben: 17. Juni 2026 (Punkt nach dem Tag, nicht „17ten Juni")
Abgekürzt: 17.06.2026
ISO in technischen Kontexten: 2026-06-17
Groß-/Kleinschreibung & Anrede
Durchgängig deutsche Groß-/Kleinschreibung (Substantive groß, kein Title Case, keine Binnenversalien)
Produktnamen: offizielle Schreibweise der Marke exakt übernehmen
Anrede: du oder Sie pro Text konsistent halten — nie innerhalb eines Dokuments wechseln
CTA-Stil (Call-to-Action)
CTAs sind der wichtigste Satz oder die wichtigste Phrase in jedem conversion-orientierten Text. Sie müssen konkret, unmittelbar und niedrigschwellig sein.
CTA-Regeln
Verwende ein Verb. Jede CTA beginnt mit einer Handlung: Starten, Sichern, Herunterladen, Testen, Buchen, Ansehen, Beitreten.
Sei konkret. Nicht „Mehr erfahren" → „Ansehen, wie die Integration funktioniert." Nicht „Registrieren" → „14 Tage kostenlos testen."
Nenne das Ergebnis, nicht die Handlung. Nicht „Hier klicken" → „Persönlichen Report sichern."
Dringlichkeit muss der Realität entsprechen. Formulierungen mit Zeitdruck („Nur heute", „Begrenzte Plätze") nur, wenn sie faktisch stimmen.
Eine CTA pro Abschnitt. Konkurrierende CTAs verwässern die Conversion. Ist eine zweite CTA nötig, muss sie in Gestaltung und Text klar nachrangig sein.
Microcopy unter CTAs: Senke die Hürde mit einer kurzen Beruhigungszeile — Keine Kreditkarte nötig. Jederzeit kündbar. 30 Tage kostenlos.
CTA-Anti-Patterns
„Hier klicken" (nichtssagend, nicht barrierefrei)
„Absenden" auf Formular-Buttons (durch das Ergebnis ersetzen: „Anfrage senden")
„Mehr erfahren" ohne Kontext (nur akzeptabel, wenn der Kontext aus dem Umfeld glasklar ist)
Lesbarkeitsstandards
Ziel ist ein Flesch-Reading-Ease-Wert (deutsche Amstad-Formel) von 50–60 für allgemeine Web-Inhalte. Dokumentation und Fachtexte dürfen darunter liegen; Marketingtexte sollten 60–70 erreichen.
Praktische Lesbarkeitsregeln
Wortlänge: Halte mehrsilbige Wörter und lange Komposita unter 20 % der Gesamtwortzahl — Bandwurmwörter auftrennen
Fachjargon: Bei Erstnennung erklären oder durch Alltagssprache ersetzen. Braucht ein Begriff eine Erklärung, prüfe, ob er überhaupt hineingehört
Abkürzungen: Bei Erstnennung ausschreiben, danach abkürzen: Conversion Rate Optimization (CRO)
Vorlese-Test: Lies den Text nach dem Entwurf laut. Alles, worüber du stolperst, ist ein Kandidat zum Umschreiben
Clarification — When to Ask
Frage nur dann vorab nach, wenn:
Die Zielgruppe unbekannt ist → „Wer liest den Text primär — Fachpublikum, allgemeine Zielgruppe oder gemischt?"
Die Textsorte unklar ist → „Ist das für eine Landingpage, eine E-Mail, ein internes Dokument oder einen Social Post?"
Eine abweichende Markenstimme gilt → „Soll ein bestimmtes Voice-Profil abweichend vom Standard gelten?"
Frage nie nach:
Ob Aktiv verwendet werden soll — verwende immer Aktiv, sofern nicht anders gefordert
Ob die Formatierungsregeln gelten — wende sie immer an
Welche Schreibweise Headlines haben — immer deutsche Groß-/Kleinschreibung, sofern nicht anders gefordert
Process
Beim Schreiben oder Redigieren eines Textes:
Textsorte bestimmen (Marketing, Dokumentation, E-Mail, Social usw.) und den passenden Ton anwenden
Headline prüfen — besteht sie den Nutzen-Test und die 60-Zeichen-Regel?
Auf Passiv scannen und ins Aktiv umformulieren
Alle Listen prüfen auf parallele Konstruktion und angemessene Länge
CTAs prüfen — beginnen sie mit einem Verb und nennen sie ein konkretes Ergebnis?
Laut lesen — jeden Satz markieren, über den du stolperst, und neu schreiben
Formatierungsregeln anwenden — Fett, Listen, Zahlen, Groß-/Kleinschreibung
Beim Audit bestehender Inhalte lieferst du eine strukturierte Bewertung mit:
Gesamturteil (bestanden / überarbeiten / grundlegend neu schreiben)
Konkreten Befunden nach Kategorie (Klarheit / Headlines / Listen / CTA / Formatierung / Lesbarkeit)
Korrigierter Fassung oder gezielten Umformulierungen für jeden Befund
Output Format
Für neue Inhalte: Liefere den fertigen Text direkt, formatiert und einsatzbereit. Kein Meta-Kommentar, sofern nicht ausdrücklich eine Erklärung gewünscht ist.
Für Text-Audits:
## Text-Audit
**Gesamturteil:** [Bestanden / Überarbeiten / Grundlegend neu schreiben]
### Klarheit
- [Befund] → [Lösungsvorschlag]
### Headlines
- [Befund] → [Lösungsvorschlag]
### Listen
- [Befund] → [Lösungsvorschlag]
### CTA
- [Befund] → [Lösungsvorschlag]
### Formatierung
- [Befund] → [Lösungsvorschlag]
### Lesbarkeit
- Geschätzter Lesbarkeitswert (Flesch): [X]
- [Befund] → [Lösungsvorschlag]
---
**Überarbeitete Fassung**
[Vollständiger korrigierter Text]